Das YouTube-Team von c't hat am 30. Oktober einen ausführlichen Praxistest der ArtCraft-Programme veröffentlicht. Als Prüfstück diente ein bestehendes Intro des Kanals mit Motion Tracking, Masken und Animationen, dazu ein Thumbnail. Beides baute der Tester auf einem MacBook mit M1 Max nach, und das Ergebnis entsprach dem Original im Aufbau.
Hinter ArtCraft steht der US-Entwickler Brandon Thomas. Seine Open-Source-Programme hat er Ende September veröffentlicht, geschrieben sind sie mit Hilfe von KI-Agenten in der Programmiersprache Rust (TutKit hat über den Start berichtet). Inzwischen umfasst die Sammlung 13 Programme, neue Versionen erscheinen mehrmals pro Woche: FilmCraft 0.15 und PhotoCraft 0.18 kamen am 31. Oktober.
Was hat im c't-Test funktioniert?
Der Schnitt in FilmCraft ging so zügig wie in Premiere Pro, weil Oberfläche und Tastenkürzel dem Vorbild fast vollständig gleichen. 4K-Material lief flüssig in der Timeline, Keyframes, Blenden und die gängigen Effekte arbeiteten wie erwartet. In EffectCraft klappten Tracking, Keylight für den Greenscreen und Expressions; der Roto-Pinsel folgte den Umrissen etwas ungenauer als in After Effects. PhotoCraft öffnete eine Photoshop-Vorlage mit allen Ebenen, Ebeneneffekten, Masken und Smartfiltern. Nur das Freistellen fiel schwächer aus als mit der Cloud-Funktion von Photoshop. PdfCraft, der Nachbau von Acrobat, lief beim Ausfüllen einiger PDFs ohne Probleme.
ArtCraft im Praxistest von c't 3003
FilmCraft, EffectCraft und PhotoCraft beim Nachbau eines Intros und eines Thumbnails, Test vom 30. Oktober 2026
- Schnitt mit den gewohnten Premiere-Tastenkürzeln
- Tracking, Keylight und Expressions in EffectCraft
- Photoshop-Datei mit Ebenen, Masken und Smartfiltern öffnen
- Rendern so schnell wie Premiere Pro
- Effekteinstellungen von Clip zu Clip kopieren
- Dynamic Link zwischen Schnitt und Effekten
- EffectCraft stabil unter Linux
Alpha-Versionen mit fast täglichen Updates, einzelne Punkte können schon behoben sein
Quellen: heise online (c't 3003), GitHub
Premiere Pro renderte eine Minute 4K-Material mit hardwarebeschleunigter Kodierung rund ein Drittel schneller, mit reiner Software-Kodierung doppelt so schnell. In FilmCraft ließen sich weder Effekteinstellungen von Clip zu Clip kopieren noch In- und Out-Punkte mit der Maus verschieben. Eine Verbindung wie Dynamic Link zwischen Schnitt und Effekten fehlt, der Tester exportierte die Clips deshalb einzeln als ProRes 422. Unter Linux fror der Testrechner mit EffectCraft nach ein bis zwei Minuten ein, unter Windows ruckelte FilmCraft stärker als auf dem Mac.
FilmCraft hat eine MCP-Schnittstelle, über die KI-Assistenten das Programm steuern. Darüber ließ der Tester den KI-Assistenten Codex von OpenAI das Rohmaterial schneiden, mit einigen Schnittfehlern. In einer eigenen Kopie des Quellcodes behob er mit dem KI-Assistenten die gefundenen Fehler und ergänzte eine Dynamic-Link-Verbindung zu EffectCraft.
Wie fertig sind die Programme?
FilmCraft steckt nach Einstufung der Entwickler in der Alpha-Phase. Auf der Projektseite bei GitHub beziffert das Team den Funktionsumfang auf rund 86 Prozent eines professionellen Schnittprogramms, die Produktionsreife auf 56 Prozent. Premiere-Projektdateien öffnet FilmCraft noch nicht; Sequenzen lassen sich nur über Austauschformate wie FCP7 XML, AAF oder OTIO übernehmen. Audio- und Effekt-Plug-ins (VST3, Audio Units, OpenFX) laufen nicht. Windows und Linux werden laut Projektbeschreibung deutlich seltener getestet als macOS.
Eine Einschränkung für Deutschland besteht nicht: Die kostenlosen Programme stehen ohne Konto über getartcraft.com oder GitHub für macOS, Windows und Linux zum Download bereit. Die Projektdokumentation führt Deutsch seit dem 30. Oktober als vollständig übersetzte Oberflächensprache von FilmCraft. Ob Adobe gegen die Nachbauten vorgeht, ist offen; Thomas beschreibt die Programme als Neuentwicklung ohne Adobe-Code.
Was das für dich bedeutet
Für kleine Aufgaben wie Thumbnails, kurze Social-Media-Clips oder das Ausfüllen von PDFs lohnt ein Versuch, am besten parallel zu deinem Adobe-Abo und an Kopien deiner Dateien. Kundenprojekte mit festem Abgabetermin bleiben vorerst in Premiere Pro und Photoshop, bis FilmCraft beim Export-Tempo und bei der Stabilität aufholt.
Arbeitest du unter Linux oder Windows, probier EffectCraft am besten zuerst an einem kurzen Clip aus, denn dort traten im Test die größten Probleme auf. Wie Dynamic Link Premiere Pro und After Effects verbindet, zeigt die Lektion im Premiere-Kurs. Genau diese Verbindung fehlt FilmCraft noch, und für den c't-Tester war sie einer der Hauptgründe, bisher am liebsten mit der Creative Cloud zu arbeiten.
c't 3003 hat den Praxistest am 30. Oktober 2026 veröffentlicht.
Quellen