Windows 11 soll bis Jahresende weniger RAM benötigen

Stefan Petri
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Windows 11 soll bis Jahresende weniger RAM benötigen

Windows 11 gilt nicht gerade als genügsam. Schon nach dem Start belegt das Betriebssystem auf vielen Rechnern mehrere Gigabyte Arbeitsspeicher – noch bevor Photoshop, Lightroom, DaVinci Resolve oder eine andere Kreativ-Anwendung geöffnet wurde. Microsoft arbeitet deshalb an Optimierungen, die schrittweise bis zum Jahresende in regulären Windows-11-Versionen ankommen sollen.

Die Änderungen dürften vor allem Rechner mit 8 oder 16 GB RAM entlasten. Große Sprünge sollten Sie allerdings nicht erwarten: Aus einem knapp ausgestatteten Notebook wird durch ein Update keine leistungsfähige Workstation.

Wo Windows 11 Speicher einsparen soll

Ein Ansatzpunkt sind die zahlreichen Windows-Komponenten, die Webinhalte anzeigen. Dazu zählen beispielsweise Widgets, Anmeldefenster, Hilfebereiche und Teile verschiedener Microsoft-Apps. Viele davon verwenden WebView2, also die Rendering-Technik des Edge-Browsers.

Bislang können mehrere Anwendungen jeweils eigene Prozesse und dazugehörige Ressourcen starten. Microsoft will die zugrunde liegende Infrastruktur stärker gemeinsam nutzen. Wenn mehrere Apps auf dieselben Laufzeitkomponenten zugreifen, müssen bestimmte Daten nicht mehrfach im RAM liegen. Das soll den Speicherbedarf senken und zugleich die Zahl paralleler Hintergrundprozesse reduzieren.

Hinzu kommen laufende Anpassungen an Systemdiensten, der Suche, der Taskleiste und weiteren Bestandteilen von Windows 11. Solche Änderungen werden meist nicht als großes Funktionsupdate ausgeliefert. Sie gelangen über kumulative Windows-Updates, App-Aktualisierungen aus dem Microsoft Store und Updates der WebView2-Laufzeit auf den Rechner.

Wie groß die Ersparnis ausfallen kann

Eine feste Zahl nennt Microsoft nicht. Das wäre auch wenig aussagekräftig, denn der Effekt hängt von der jeweiligen Konfiguration ab. Entscheidend ist unter anderem:

  • welche Windows-Funktionen aktiviert sind,
  • wie viele WebView2-basierte Apps gleichzeitig laufen,
  • welche Programme automatisch starten,
  • wie viele Browser-Tabs geöffnet sind,
  • und wie viel RAM insgesamt verfügbar ist.

Die Optimierung dürfte vor allem dann auffallen, wenn mehrere Anwendungen bisher ähnliche Komponenten separat geladen haben. Bei einem System mit 8 GB RAM kann bereits eine Einsparung von einigen Hundert Megabyte helfen. Auf einem Rechner mit 32 oder 64 GB wird sie im Alltag dagegen kaum sichtbar sein.

Außerdem ist belegter RAM nicht automatisch verschwendeter RAM. Windows nutzt freien Speicher bewusst als Cache, um Dateien und Programme schneller bereitzustellen. Sobald eine Anwendung mehr Speicher benötigt, kann das System einen Teil dieses Caches wieder freigeben. Wichtiger als die reine Belegungsanzeige ist deshalb der tatsächliche Speicherdruck: Wird der Rechner langsam, lagert Windows häufig Daten auf das Laufwerk aus oder reagieren Anwendungen verzögert, reicht der verfügbare RAM möglicherweise nicht aus.

So prüfen Sie den aktuellen Verbrauch

Öffnen Sie den Task-Manager mit Strg + Umschalt + Esc und wechseln Sie zu „Prozesse“. Ein Klick auf die Spalte „Arbeitsspeicher“ sortiert die laufenden Anwendungen nach ihrem Verbrauch.

Unter „Leistung > Arbeitsspeicher“ sehen Sie zusätzliche Angaben. Relevant sind insbesondere:

  • „In Verwendung“ für den aktuell belegten RAM,
  • „Verfügbar“ für kurzfristig nutzbaren Speicher,
  • „Zugesichert“ für physischen und virtuellen Speicher,
  • sowie die Geschwindigkeit und Anzahl der belegten RAM-Steckplätze.

Messen Sie nicht unmittelbar nach dem Systemstart. Windows lädt in den ersten Minuten Updates, Suchindex und Hintergrunddienste. Aussagekräftiger ist eine Kontrolle während eines typischen Projekts – etwa mit geöffnetem Bildbearbeitungsprogramm, Browser, Dateimanager und den benötigten Zusatztools.

Was Sie schon jetzt tun können

Bis die angekündigten Verbesserungen auf allen Geräten angekommen sind, lässt sich der Verbrauch mit wenigen Maßnahmen reduzieren.

Prüfen Sie zunächst den Autostart unter „Einstellungen > Apps > Autostart“. Deaktivieren Sie Programme, die Sie nicht bei jeder Anmeldung benötigen. Dazu gehören häufig Update-Helfer, Messenger, Spiele-Launcher oder Synchronisationsdienste. Sicherheitssoftware, Grafiktreiber-Komponenten und Werkzeuge für Farbmanagement sollten Sie nur abschalten, wenn Sie deren Funktion genau kennen.

Auch Browser können mehrere Gigabyte belegen. Schließen Sie nicht benötigte Tabs oder aktivieren Sie in Edge beziehungsweise Chrome den Ruhezustand für inaktive Registerkarten. Kontrollieren Sie außerdem Erweiterungen: Manche Add-ons führen dauerhaft Hintergrundprozesse aus.

Weitere sinnvolle Schritte sind:

  • nicht benötigte Widgets und Hintergrund-Apps deaktivieren,
  • Windows sowie Anwendungen aktuell halten,
  • selten verwendete Programme deinstallieren,
  • große Kreativ-Projekte nach Möglichkeit auf einer SSD speichern,
  • den Rechner gelegentlich neu starten, statt ihn über Wochen nur in den Energiesparmodus zu versetzen.

Die Auslagerungsdatei sollten Sie dagegen nicht deaktivieren. Windows nutzt sie als Sicherheitsreserve, wenn der physische RAM knapp wird. Eine Abschaltung kann zu Programmabstürzen führen, gerade bei großen Photoshop-Dateien, umfangreichen RAW-Katalogen oder Videoschnittprojekten.

Ein Update ersetzt keine passende Ausstattung

Die geplanten Optimierungen sind sinnvoll, weil sie unnötige Mehrfachbelegungen reduzieren können. Für Kreativ-Workflows bleibt die RAM-Ausstattung dennoch entscheidend. 8 GB reichen heute hauptsächlich für einfache Büroaufgaben und leichte Bildbearbeitung. Mit 16 GB lassen sich viele Foto- und Designprojekte ordentlich bearbeiten. Für große Dateien, Videoschnitt, 3D-Anwendungen oder mehrere gleichzeitig geöffnete Kreativprogramme sind 32 GB oder mehr deutlich robuster.

Windows 11 dürfte bis zum Jahresende etwas sparsamer werden. Wie viel davon auf Ihrem Rechner ankommt, hängt jedoch stärker von den laufenden Anwendungen als vom Betriebssystem allein ab. Ein Blick in den Task-Manager und ein aufgeräumter Systemstart bringen deshalb oft schon heute den größeren Effekt.

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Von Stefan Petri
Stefan Petri betreibt zusammen mit seinem Bruder Matthias das beliebte Fachforum PSD-Tutorials.de sowie die E-Learning-Plattform TutKit.com, die in der Aus- und Fortbildung digitaler beruflicher Kompetenzen einen Schwerpunkt setzt. 

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