Das Branchenportal Podnews hat bei Spreaker 1.778 Podcasts gefunden, die eine fremde Show vollständig kopieren. Grundlage ist der Podcast Index vom 24. Oktober 2026: Gezählt wurden Shows, die bei Spreaker und bei einem zweiten Hoster mit gleicher Folgenzahl liegen. Unter den Kopien finden sich Crime Junkie, Hidden Brain und The Rest is Politics.
Im eigenen Test kopierte Podnews seinen Nachrichten-Podcast in wenigen Minuten, mit einem kostenlosen Konto ohne Kreditkarte. Für deutschsprachige Shows funktioniert das genauso, denn Spreaker liest jeden öffentlichen RSS-Feed ein.
Wie läuft die Kopie bei Spreaker ab?
Auf der Importseite genügt die Adresse eines RSS-Feeds. Spreaker übernimmt daraufhin Audiodateien, Cover, Titel und Beschreibungen aller Folgen, ohne den Inhaber des Feeds zu benachrichtigen. Einen Hinweis auf das Urheberrecht fand Podnews dort nicht. Auf Wunsch fragt der Dienst den Feed stündlich nach neuen Folgen ab, die Kopie bleibt so aktuell.
Im nächsten Schritt ließe sich die Kopie bei Apple Podcasts, Spotify und weiteren Verzeichnissen anmelden; diesen Schritt ließ Podnews aus. Die Freischaltung für Werbung beantragte die Redaktion dagegen, für eine Show mit dem Titel „Test“. Am nächsten Vormittag war der Antrag genehmigt, Spreaker hätte nun Spots am Anfang, am Ende und in Sprechpausen jeder Folge eingefügt. Laut Podnews behält die Plattform bis zu 41 Prozent der Werbeeinnahmen.
Was verlierst du durch eine Kopie?
Abrufe der Kopie fehlen in deiner Statistik und in den Charts, die Werbung darin bringt dir kein Geld. Abonniert jemand versehentlich die Kopie, landen Bewertungen dort statt bei deiner Show.
Bei der Podcasterin Lisa Lacy tauchte eine Kopie ihrer Show mit mehr als 150 Folgen binnen fünf Tagen auf mehreren Plattformen auf. Nach ihrem Bericht bei Podnews stand die Kopie auf Platz 121 der US-Charts von Apple Podcasts in ihrer Kategorie, das Original auf Platz 1. Ihr Netzwerk Gamut reichte Beschwerden ein, ein wichtiger Verzeichniseintrag verschwand nach etwa 24 Stunden. Ein ähnliches Muster hatte Podnews schon im Oktober 2020 bei der Importfunktion von Anchor beschrieben.
Was sagt Spreaker dazu?
Spreaker gehört zum US-Konzern iHeart und schickte Podnews statt Antworten eine Stellungnahme: Die Plattform dulde keine Uploads ohne die nötigen Rechte, die Gemeinschaftsregeln seien Teil der Nutzungsbedingungen, und bei Verstößen greife das Team ein. Außerdem beachte der Import das Tag podcast:locked. Podnews hält dagegen, dass Spreaker dieses Tag den eigenen Kunden gar nicht anbietet. Das Portal legt offen, dass Spreaker zu seinen Unterstützern zählt.
Was das für deinen Podcast bedeutet
Den ersten Schutz stellst du im eigenen Feed ein. Das Tag podcast:locked mit dem Wert yes signalisiert anderen Hostern, dass sie den Feed nicht importieren sollen. Die Übersicht von Podcasting 2.0 nennt unter anderem Buzzsprout, Libsyn, Captivate, RSS.com und das WordPress-Plug-in PowerPress als Dienste, die das Tag unterstützen. Wirksam ist die Sperre nur bei Plattformen, die sich daran halten.
- Prüf in den Einstellungen deines Hosters am besten gleich, ob die Feed-Sperre eingeschaltet ist. Bei vielen Hostern heißt die Option Feed Lock oder Podcast Lock.
- Such bei Apple Podcasts, Spotify und Spreaker nach deiner Show, nicht nur nach dem Titel, sondern auch nach Cover und fremden Herausgebernamen.
- Behalte deine Abrufzahlen im Blick. Ein plötzlicher Einbruch beweist keine Kopie, ist aber ein Anlass zum Nachsehen; wie du die Zahlen auswertest, zeigt eine Lektion zu Podcast Analytics.
- Findest du eine Kopie, sichere zuerst Screenshots, Adressen und Feed-Links. Melde den Verstoß dann beim Hoster der Kopie: Spreakers Inhaltsrichtlinien sehen Meldungen nach dem US-Urheberrechtsgesetz DMCA vor, und eine Löschung beim Hoster entfernt die Kopie oft aus mehreren Verzeichnissen.
Baust du gerade eine eigene Show auf, zeigt dir der Podcast-Kurs auf TutKit, wie du sie hostest und bei Spotify und Co. veröffentlichst.
Podnews hat die Recherche am 27. Oktober 2026 veröffentlicht.
Quellen