Gründer-Talk mit Matthias Petri: Neues wagen an der Müritz

Hinter den Kulissen

Warum Matthias Petri als Gründer seiner E-Learning-Plattform einst schneller war, als die Polizei erlaubt, wieso gute Mitarbeiter der größte Unternehmensgewinn sind und warum Gassi gehen an der Müritz für ihn immer eine Extraportion Urlaub bedeutet? Dies und vieles mehr beantwortet dir Matthias in unserem Gründer-Talk.


Bevor du als Unternehmer gestartet bist, warst du Polizist. Du hättest dein Leben lang einen sicheren Job gehabt und gutes Geld verdient. Warum dieser Twist in deinem Leben und was hat dein Bruder (Interview hier) damit zu tun?

Der Polizei verdanke ich viel. Es waren spannende Zeiten, mit Praxiserfahrungen, die du als Bürger nicht ohne Weiteres machst. Ich durfte auch viel über Menschen lernen. Aber mit 25 Jahren – in der viermonatigen Elternzeit für meinen ältesten Sohn – dachte ich auch über das Leben nach und ob ich noch 40 Jahre diesen Job erfüllen möchte. Erfüllt hätte ich ihn wohl, doch er nicht mich, fürchtete ich.

Einblicke in die Zeit bei der Polizei

Von der Truppe zum eigenen Team

Neben meinem Job als Polizist sah ich schon dieses zarte Pflänzchen der E-Learning-Community heranwachsen – was durchaus Potenzial zu einem Geschäftsmodell hatte. Ich war jung und dachte mir: Wer weiß, vielleicht würde ich mit 45 Jahren zurückblicken und bereuen, die Chance in dem damals offenen Zeitfenster nicht ergriffen zu haben. Heute sage ich mir: Es sind gerade die Umbrüche im Leben, die die größten Lehren bieten. Wessen Vita zu geradlinig ist, macht sich mir schon fast ein wenig verdächtig. ;-)

Welche Rolle spielen deine Mitarbeiter für dich?

Ken Goldstein meinte einmal, für ein gutes Unternehmen zählen drei Sachen: „People. Products. Profits. In that order.“ Daran glaube ich auch. Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind essenziell. Sie sind auch herausfordernd und unbequem. Und ich freue mich jedes Mal, wenn sie mir beweisen, dass sie cleverer sind als ich. Denn sie sind es durch bessere Ideen und nachhaltigere Konzepte, durch strukturiertere Prozesse und akkuratere Arbeitsergebnisse. Kurzum: Ohne unser Team stünden wir mit TutKit.com nicht da, wo wir sind. 

Mit welchen Methoden und Medien hältst du dich heute als Unternehmer fit?

Eine gute Work-Life-Balance ist für mich elementar. Ich glaube an eine gesunde Mischung aus guter Ernährung, viel Bewegung und der Verbannung von Stressfaktoren wie zum Beispiel wenig Schlaf, toxische Mitmenschen oder Multitasking. Sich fit zu halten, funktioniert für mich auf zwei Wegen: Einerseits lerne ich gern, lese Sachbücher und auch Magazine, höre Podcasts und schaue regelmäßig E-Learning-Videos. Andererseits halte ich mich körperlich fit durch ein relativ breites Sportprogramm mit Fußball, Kampfsport und Body Weight-Training.

4eck Media hat ihren Sitz in Waren. Was gibt es hier, außer der Müritz, was es woanders nicht gibt? Und ist es schwieriger, in einem neuen Bundesland wie Mecklenburg-Vorpommern eine Firma zu gründen?

Wenn ich mit unserem Agentur-Schnauzer Ringo – den ich mir übrigens im Zwei-Wochen-Rhythmus mit Stefan teile – einen Spaziergang an der Müritz mache, kann ich täglich eine kleine Prise Urlaub inhalieren. Das macht mein Arbeiten hier einfach wunderbar. Ich glaube, gründen lässt sich überall. Wir als kleines Unternehmen treten jeden Tag den Beweis an, dass innovative Projekte und digitale Geschäftsmodelle auch in einem entschleunigten Umfeld mit Natur und Seeblick realisierbar sind.

Jeder Spaziergang an der Müritz ist wie der kleine Urlaub zwischendurch.

Das Leben als tägliches Lernprogramm

Was fehlt momentan im Büro? Und gibt es dafür eine andere Sache, auf die du verzichten könntest?

Wir sind jetzt schon sechs Jahre in den aktuellen Büroräumen. Und langsam spüre ich auch das Verlangen nach dem nächsten Wachstumsschritt. Das Analoge, unser Räumliches, hält nicht ganz Schritt mit dem Digitalen, woran wir arbeiten. Es wäre schön, wenn wir auch in diesem Punkt mittelfristig positive Veränderungen realisieren können, in denen das Büro ein wenig mehr repräsentiert, wofür wir mit unseren Projekten stehen.

Verzichten könnte ich auf einige Macken und Schwächen, womit ich mir selbst manchmal im Weg stehe: Prokrastination, sich leicht ablenken lassen, zu oft aufs Smartphone schauen … ein bisschen mehr Fokus und Konzentration wären prima.

Gab es neben der erfolgreichen Firmengründung und -geschichte auch Ereignisse, die für ein Ungleichgewicht oder eine besondere Herausforderung sorgten? Und welches Learning folgte daraus?

Ja, die gab es wohl. Leidlich spät habe ich begriffen, wie wichtig tägliches Lernen und Fortbildung sind. Stünde ich noch einmal am Anfang meiner Selbstständigkeit, würde ich dafür sorgen, dass die Lernphasen im Tagesgeschäft nicht zu kurz kommen. Das hätte mir sicherlich spätere Krisen und Missstände erspart. Ohne ins Detail zu gehen, gab es sicher immer wieder auch im Miteinander innerhalb des Teams Herausforderungen. Zu lange an den falschen Mitarbeitern festzuhalten, ist einer der Fehler, die ich gemacht habe.

Permanentes Lernen sorgt für stetiges Wachstum

Vom Gespür für Gemeinsamkeiten

Es heißt, in einem Rennen spielt es keine Rolle, was hinter dir liegt. Das Einzige, was zählt, ist das, was vor dir ist. Was liegt noch vor dir?

Wir wollen anderen Menschen helfen, mit uns ihre digitalen Kompetenzen zu stärken, damit sie die Ziele ihrer beruflichen und unternehmerischen Mission effizient erreichen. Da wir in einer schnelllebigen Zeit unterwegs sind, müssen wir unsere Augen besonders offen halten für kommende Trends, Techniken und Methoden – und an diesen Entdeckungen müssen wir unsere Entscheidungen und unser Handeln ausrichten. Sonst werden wir unserer eigenen Mission nicht gerecht.

Was war in der Schule dein liebstes Fach? Und hilft dir das heute als Unternehmer weiter?

Gern mochte ich Deutsch und Geschichte. Ich las schon immer gern und bin relativ neugierig. Das hilft mir, glaube ich. Sowohl in meiner Persönlichkeitsentwicklung als auch in der Unternehmensführung, weil es mir Spaß macht, tief in ein Thema einzutauchen, mehr zu erfahren und Zusammenhänge zu erkennen.

Das Thema Mitarbeiter-Neueinstellung ist oft eine Entscheidung, die gar nicht so leicht zu treffen ist. Fachliches Know-how oder praktische Erfahrung? Was wählst du?

Soziale Kompetenz. Wir sind ein kleines Team, das relativ eng miteinander zusammenarbeitet – sowohl räumlich hier in Waren als auch inhaltlich an unseren Projekten. Da muss es für mich menschlich gut funktionieren. Jedes Jahr im Winter bin ich mit gut zehn Freunden im Snowboard-Urlaub in den Alpen. Im Vorstellungsgespräch stelle ich mir selbst die hypothetische Frage: Würde ich es mit dem Bewerber oder der Bewerberin eine Woche lang in einer Berghütte aushalten? Wenn meine Antwort „Nein“ lautet, ahne ich schon, dass es später zu Schwierigkeiten im Miteinander kommen könnte.

Fachliche Kompetenz kann man aufbauen und Erfahrungen lassen sich in unseren Projekten sammeln. Es dauert zwar, aber wenn jemand lernwillig ist, bin ich gern geduldig. Doch was Hänschen – vor allem im sozialen Umgang – nicht lernt, lernt Hans leider nimmermehr.

Meine hypothetische Einstellungsfrage: Könnte ich es mit der oder dem Bewerbenden auch sieben Tage im Urlaub aushalten?

Ein Smiley für die schrägste Story

Was war das Verrückteste, das du in deiner Laufbahn als Chef jemals erlebt hast?

Verrückt sind manchmal die Verhaltensweisen, die Menschen an den Tag legen. Ganz gleich, ob auf Kundenseite, bei uns im Team oder auch im Privaten. Wenn Menschen zueinander finden, ist meist große Partystimmung angesagt. In Trennungsprozessen zeigt sich dann der wahre Charakter. Da gab es wirklich ein paar bemerkenswerte Verrücktheiten, die ich hautnah erlebt habe. Um eine andere, eher lustige Begebenheit zu nennen: Im Oktober 2017 erhielten wir von einem anonymen „Fan“ eine Lieferung Elefantenkot. Wir nahmen es mit Humor und haben uns dafür artig in einem Facebook-Post bedankt.

Aller guten Dinge sind drei

Bitte vervollständige die folgenden Aussagen:

Das Wichtigste, was ich meinen Söhnen beibringe, … sind Werte und Glaubenssätze, die mir selbst im Leben geholfen haben und ein Schlüssel dazu sind, dass ich mich heute glücklich fühle.

Etwas, das ich heute kann und früher nicht konnte, ist … hobbymäßig kochen. Ich nahm es mir erst so richtig in den letzten vier Jahren an. Es macht mir große Freude. Und aktuell sind meine Söhne in einem Alter, in dem ich sie von den Kindergerichten zum Erwachsenenessen überführe … oder verführe. Da muss ich geduldig sein und viel ausprobieren, bis es ihnen mal schmeckt.

Ein guter Unternehmer denkt immer auch … an die Menschen, mit denen er die meiste Zeit verbringt. Sie sind Teil seiner eigenen Work-Life-Balance, und er sollte daher darauf achten, dass es die richtigen sind und es ihnen auch gutgeht.

In gemütlicher Runde mit dem Team beim Weihnachtstreffen 2019

Steckbrief: Matthias Petri

  • Familienstand: geschieden und glücklich liiert
  • Zu meiner Familie gehören: 3 Kinder – 2 eigene Söhne im Wechselmodell und eine Patchwork-Tochter im Haushalt
  • Mein Geburtsjahr: 1983
  • Ich lebe in: einem der kleinsten Dörfer Deutschlands
  • Mein Lieblingsbuch: Dale Carnegie: „Wie man Freunde gewinnt"
  • Einem Kanal, dem ich gern folge: OMR – großartige Interviewgäste und cooler Host
  • Ein Zitat, das ich oft wiederhole: „Mit einem Tropfen Honig fängt man mehr Fliegen als mit einer ganzen Kanne voll Galle“, Abraham Lincoln
  • Was für mich den Unterschied macht: Verbindlichkeit und Fokus
  • Mein erlernter Beruf: Polizeibeamter im gehobenen Dienst
  • Zum Schlafen komme ich pro Tag: ca. 7 bis 8 Stunden. Ich achte darauf, genug Schlaf zu bekommen. Lieber früher ins Bett und dann früher aufstehen. Der Vormittag ist bei mir in der Regel viel produktiver als der Abend. Daher verlängere ich lieber meinen Morgen.
  • Mein Dresscode: Cargo oder Jeans und Hemd
  • Mein Haustier: Mittelschnauzer Ringo, den ich mir mit Stefan im Zwei-Wochen-Rhythmus teile
Von Stefan Riedl
Stefan Riedl, einst gelernter Bankkaufmann, studierte später Grafik-Design und ist mit über 250 Tutorials als Trainer für alle Themen rund um Desktop-Publishing tätig. Fünf Jahre fungierte er im Editoral-Design als Chefredakteur des „Commag“ – dem Online-Magazins für Bildbearbeitung und Webdesign auf PSD-Tutorials.de. Als Visual-Designer beteiligte er sich maßgeblich an der Portalentwicklung von TutKit.com und kreierte als Artdirector das Erscheinungsbild. Stefans Schwerpunkte liegen in der strategischen Planung, grafischen Gestaltung und Ausarbeitung komplexer User Experience-Designs.
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