Beruflich neu orientieren: So gelingt deine Bewerbung für einen Neustart

Stefan Petri
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Lesezeit: 10 min
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Ein beruflicher Neustart beginnt selten mit einem perfekten Plan. Manchmal entsteht der Wunsch nach Veränderung über Monate. Manchmal geht es plötzlich: Der bisherige Job fällt weg, die eigene Branche verändert sich oder man merkt einfach, dass man beruflich nicht mehr dort weitermachen möchte, wo man gerade steht.

Dann kommt irgendwann die entscheidende Frage: Wie bewerbe ich mich auf einen Job, wenn mein bisheriger Lebenslauf eigentlich in eine ganz andere Richtung zeigt? Genau an diesem Punkt machen sich viele Bewerber unnötig klein. Sie sehen fehlende Berufserfahrung in der neuen Branche, einen ungewöhnlichen Lebenslauf oder eine längere Pause vor allem als Nachteil.

Dabei kann gerade ein beruflicher Wechsel interessant für Arbeitgeber sein. Entscheidend ist, ob du nachvollziehbar erklären kannst, warum du dich verändern möchtest, welche Erfahrungen du bereits mitbringst und warum der neue Weg zu dir passt.

Berufliche Neuorientierung bedeutet nicht, wieder bei null anzufangen

Angenommen, du hast zehn Jahre im Einzelhandel gearbeitet und möchtest künftig ins Büro wechseln. Auf den ersten Blick fehlen dir vielleicht einige Jahre Erfahrung in der Verwaltung.

Trotzdem bringst du bereits einiges mit:

  • Du hast täglich mit Kunden kommuniziert.
  • Du kannst mit stressigen Situationen umgehen.
  • Du kennst organisatorische Abläufe.
  • Du arbeitest zuverlässig nach Vorgaben.
  • Du hast möglicherweise Warenbestände, Kassen oder Bestellungen verwaltet.
  • Vielleicht hast du sogar neue Kollegen eingearbeitet.

Diese Erfahrungen verschwinden nicht, nur weil auf der nächsten Visitenkarte eine andere Berufsbezeichnung steht. Das Gleiche gilt für jemanden, der aus der Gastronomie ins Projektmanagement wechseln möchte, nach einer Familienphase wieder einsteigt oder nach vielen Jahren in einem körperlich belastenden Beruf eine neue Perspektive sucht. Bei einer beruflichen Neuorientierung geht es deshalb nicht nur darum, welche Stellenbezeichnung bisher in deinem Lebenslauf stand. Viel interessanter ist die Frage:

Welche deiner bisherigen Fähigkeiten kannst du im neuen Beruf weiterhin einsetzen?

Mach zuerst dein Ziel klar – und erst danach die Bewerbung

Ein häufiger Fehler bei der Neuorientierung besteht darin, sofort Bewerbungen zu schreiben. Man sucht nach Stellen, die irgendwie interessant wirken, ändert ein paar Sätze im Anschreiben und verschickt möglichst viele Bewerbungen. Das funktioniert manchmal. Häufig führt es aber dazu, dass die Unterlagen beliebig wirken. Bevor du deinen Lebenslauf überarbeitest, solltest du deshalb einige Fragen beantworten:

Was möchte ich künftig machen?
Versuche, konkreter zu werden als „etwas im Büro“ oder „irgendetwas mit Menschen“. Je klarer das Berufsziel ist, desto besser kannst du deine Bewerbung darauf ausrichten.

Warum möchte ich wechseln?
Die Antwort darauf muss nicht dramatisch sein. Vielleicht möchtest du dich weiterentwickeln, suchst geregeltere Arbeitszeiten oder möchtest deine Stärken künftig anders einsetzen.

Was bringe ich bereits mit?
Schreibe nicht nur Berufsbezeichnungen auf. Überlege, welche Aufgaben du tatsächlich übernommen hast.

Was fehlt mir noch?
Manchmal reicht eine kurze Einarbeitung. In anderen Fällen kann eine Weiterbildung, Umschulung oder zusätzliche Qualifikation sinnvoll sein.

Erst wenn diese Punkte einigermaßen klar sind, lohnt es sich, Lebenslauf und Anschreiben anzupassen.

Dein Lebenslauf darf deinen Wechsel erklären

Ein guter Lebenslauf ist keine vollständige Chronik deines Erwachsenenlebens. Er soll einem Arbeitgeber möglichst schnell zeigen, warum du für eine bestimmte Stelle interessant sein könntest. Bei einer Neuorientierung bedeutet das: Relevanz ist wichtiger als reine Vollständigkeit. Natürlich sollten deine bisherigen beruflichen Stationen korrekt dargestellt werden. Du musst aber nicht jede Tätigkeit gleich ausführlich beschreiben. Bewirbst du dich beispielsweise nach mehreren Jahren im Verkauf auf eine Stelle im Kundenservice, sollten Aufgaben wie Kundenberatung, Reklamationsbearbeitung oder Kommunikation stärker hervorgehoben werden als Tätigkeiten, die mit der neuen Stelle wenig zu tun haben.

Aus:

  • Verkäufer im Einzelhandel

kann beispielsweise werden:

  • Verkäufer im Einzelhandel
    Beratung von Kunden, Bearbeitung von Reklamationen, Organisation von Bestellungen, Warenwirtschaft und Einarbeitung neuer Mitarbeiter.

Die Tätigkeit bleibt dieselbe. Aber der Arbeitgeber erkennt jetzt wesentlich schneller Fähigkeiten, die auch außerhalb des Einzelhandels interessant sein können.

Suche nach übertragbaren Fähigkeiten

Gerade Quereinsteiger konzentrieren sich oft darauf, was ihnen fehlt. Hilfreicher ist es, nach sogenannten übertragbaren Kompetenzen zu suchen. Damit sind Fähigkeiten gemeint, die nicht ausschließlich an einen bestimmten Beruf gebunden sind.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Kommunikation
  • Organisation
  • Kundenorientierung
  • Teamarbeit
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Verkauf
  • Konfliktlösung
  • Zeitmanagement
  • technisches Verständnis
  • digitale Kenntnisse
  • selbstständiges Arbeiten
  • Führungserfahrung

Schau dir anschließend eine konkrete Stellenanzeige an. Welche Fähigkeiten werden dort verlangt? Dann vergleichst du diese Anforderungen mit deiner bisherigen Erfahrung. Du wirst häufig feststellen, dass die Überschneidung größer ist, als du zunächst gedacht hast.

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Das Anschreiben sollte nicht deine Vergangenheit verteidigen

„Obwohl ich bisher keine Erfahrung in diesem Bereich habe …“ So beginnen erstaunlich viele Anschreiben von Quereinsteigern. Damit lenkst du den Blick des Arbeitgebers direkt auf das, was vermeintlich fehlt. Besser ist es, den Wechsel positiv zu erklären.

Zum Beispiel:

Nach mehreren Jahren im Einzelhandel möchte ich meine Erfahrung im direkten Kundenkontakt künftig gezielt im Kundenservice einsetzen. Besonders die Kommunikation mit unterschiedlichen Menschen und das Lösen konkreter Anliegen gehören seit Jahren zu meinem Arbeitsalltag.

Hier wird nichts beschönigt. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Berufswechsel einen nachvollziehbaren Grund hat. Ein gutes Anschreiben zur beruflichen Neuorientierung beantwortet im Grunde drei Fragen:

  • Warum möchtest du genau in diesen Bereich wechseln?
  • Welche deiner bisherigen Erfahrungen helfen dir dabei?
  • Warum interessierst du dich für genau diese Stelle oder dieses Unternehmen?

Wenn diese drei Punkte verständlich beantwortet sind, braucht es meistens keine komplizierten Formulierungen.

Erkläre Brüche – aber entschuldige dich nicht für sie

Nicht jeder Lebenslauf verläuft geradlinig. Arbeitslosigkeit, Familienzeiten, Krankheit, ein abgebrochenes Studium, ein Branchenwechsel oder mehrere kurze Beschäftigungen können Teil einer beruflichen Biografie sein. Du musst daraus keine große Geschichte machen. Wenn eine Erklärung sinnvoll ist, sollte sie kurz, sachlich und nach vorne gerichtet sein. Statt lange zu begründen, warum eine bestimmte Phase schwierig war, ist für Arbeitgeber meistens relevanter, was jetzt passiert.

Zum Beispiel:

Nach einer familiären Auszeit möchte ich nun wieder dauerhaft ins Berufsleben einsteigen und meine bisherigen Erfahrungen im kaufmännischen Bereich weiter ausbauen.

Damit ist die Situation erklärt. Der Fokus liegt aber auf dem nächsten Schritt.

Weiterbildung kann die Brücke zum neuen Beruf sein

Nicht jeder Berufswechsel funktioniert allein mit einer guten Bewerbung. Wenn für dein Wunschziel bestimmte Fachkenntnisse fehlen, kann eine Weiterbildung sinnvoll sein. Besonders hilfreich ist sie dann, wenn sie eine konkrete Lücke zwischen bisheriger Erfahrung und zukünftigem Beruf schließt.

Ein Beispiel:

Jemand bringt bereits Organisationserfahrung und kaufmännisches Verständnis mit, hat aber kaum mit aktuellen Office-Programmen gearbeitet. Ein gezielter Kurs kann hier sinnvoller sein als eine komplette neue Ausbildung.

Oder jemand möchte in ein Berufsfeld wechseln, für das eine bestimmte Qualifikation erwartet wird. Dann kann eine Weiterbildung die Voraussetzung dafür schaffen, sich überhaupt sinnvoll bewerben zu können.

Wichtig ist deshalb, Weiterbildung nicht als Selbstzweck zu betrachten.

Die Frage sollte nicht lauten:

„Welche Weiterbildung kann ich machen?“

Sondern:

„Welche Qualifikation bringt mich meinem konkreten Berufsziel näher?“

Wer bei dieser Entscheidung Unterstützung benötigt, kann sich beispielsweise bei einem Bildungsträger wie Horizonia Weiterbildung zu beruflicher Orientierung, Coaching und möglichen Weiterbildungswegen informieren.

Nutze Stellenanzeigen als Informationsquelle

Eine Stellenanzeige ist nicht nur eine Möglichkeit, sich zu bewerben. Sie zeigt dir auch, was Arbeitgeber in deinem Wunschberuf erwarten. Öffne zehn bis fünfzehn Stellenanzeigen für Positionen, die dich interessieren, und achte darauf, welche Anforderungen immer wieder auftauchen.

Vielleicht liest du mehrfach:

  • gute Excel-Kenntnisse
  • Kundenkommunikation
  • kaufmännisches Verständnis
  • Führerschein
  • bestimmte Softwarekenntnisse
  • Erfahrung im Projektmanagement

Dadurch entsteht nach und nach ein realistisches Bild des Berufsfeldes. Markiere anschließend drei Kategorien:

  • Kann ich bereits.
  • Kann ich teilweise.
  • Muss ich noch lernen.

Diese einfache Übung hilft oft mehr als stundenlanges allgemeines Recherchieren über einen Beruf.

Bewirb dich nicht erst, wenn du 100 Prozent erfüllst

Stellenanzeigen beschreiben häufig einen Wunschkandidaten. Das bedeutet nicht automatisch, dass du jede einzelne Anforderung erfüllen musst. Wenn du einen großen Teil der zentralen Aufgaben übernehmen kannst und glaubhaft zeigen kannst, dass du bereit bist, fehlende Kenntnisse zu lernen, kann sich eine Bewerbung trotzdem lohnen.

Gerade bei einem Berufswechsel wirst du wahrscheinlich nicht dieselbe Erfahrung mitbringen wie jemand, der bereits zehn Jahre in diesem Beruf arbeitet. Das musst du auch nicht. Dein Vorteil kann an anderer Stelle liegen: in deiner Berufserfahrung, deinem Umgang mit Menschen, deinem technischen Verständnis, deiner Motivation oder einer Perspektive, die jemand aus der Branche vielleicht gar nicht mitbringt.

Bereite dich auf die Frage nach dem Berufswechsel vor

Spätestens im Vorstellungsgespräch wird wahrscheinlich die Frage kommen: „Warum möchten Sie den Beruf wechseln?“ Darauf solltest du vorbereitet sein. Eine überzeugende Antwort braucht keine komplizierte Geschichte. Sie kann zum Beispiel so aufgebaut sein:

  1. Was hast du bisher gemacht?
  2. Was hast du dabei über deine Stärken gelernt?
  3. Warum führt dich das in den neuen Bereich?
  4. Warum passt die ausgeschriebene Stelle dazu?

Beispiel:

In den vergangenen Jahren habe ich im Einzelhandel gearbeitet und dabei gemerkt, dass mir vor allem die Beratung, Organisation und der Kontakt mit Kunden liegen. Gleichzeitig möchte ich mich langfristig stärker in Richtung Kundenservice und Verwaltung entwickeln. Deshalb suche ich jetzt gezielt eine Position, in der ich meine bisherige Erfahrung einbringen und gleichzeitig neue kaufmännische Aufgaben übernehmen kann.

Das klingt nachvollziehbar. Und genau darum geht es.

Eine gute Bewerbung erzählt eine klare Geschichte

Ein beruflicher Neustart muss auf dem Papier nicht perfekt aussehen. Entscheidend ist, dass der Arbeitgeber deinen Weg verstehen kann.

  • Wo kommst du her?
  • Was kannst du bereits?
  • Warum möchtest du dich verändern?
  • Und warum ist genau dieser nächste Schritt sinnvoll?

Wenn Lebenslauf, Anschreiben und Vorstellungsgespräch dieselbe nachvollziehbare Geschichte erzählen, wirkt auch ein ungewöhnlicher beruflicher Weg plötzlich sehr stimmig. Vielleicht ist das der wichtigste Gedanke bei einer beruflichen Neuorientierung: Du musst deine bisherige Laufbahn nicht verstecken. Du musst zeigen, was du daraus für deinen nächsten Schritt mitnimmst. Denn berufliche Erfahrung verliert ihren Wert nicht dadurch, dass du dich entscheidest, sie künftig in einem anderen Umfeld einzusetzen.

Veröffentlicht am von Stefan Petri
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Von Stefan Petri
Stefan Petri betreibt zusammen mit seinem Bruder Matthias das beliebte Fachforum PSD-Tutorials.de sowie die E-Learning-Plattform TutKit.com, die in der Aus- und Fortbildung digitaler beruflicher Kompetenzen einen Schwerpunkt setzt. 

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