Du sitzt gerade vor dem Bildschirm, schiebst Pixel in Photoshop hin und her, baust ein Layout für den nächsten Kunden oder schneidest ein Video zusammen. Dein Nacken zieht, die Augen brennen und dein Rücken meldet sich mit einem dumpfen Drücken. Kommt dir das bekannt vor? Dann bist du in bester Gesellschaft. Laut einer Erhebung von OFFICE ROXX aus dem März 2025 verbringen Bürobeschäftigte im Schnitt 64 Prozent ihrer Arbeitszeit im Sitzen, 27 Prozent im Stehen und nur neun Prozent im Gehen. Für Kreative, die oft stundenlang hochkonzentriert an Projekten arbeiten, sieht die Bilanz häufig noch ungünstiger aus. Dabei lässt sich mit ein paar klugen Entscheidungen erstaunlich viel verändern.

Dieser Artikel zeigt dir, worauf es bei einem ergonomischen Arbeitsplatz wirklich ankommt. Von der richtigen Sitzhaltung über die Beleuchtung bis hin zur oft unterschätzten Rolle deiner Augen findest du hier alles, was du für ein Setup brauchst, das dich nicht kaputt macht.
Warum sollte dich das Thema Ergonomie überhaupt kümmern?
Kreativarbeit ist Kopfarbeit, keine Frage. Aber dein Körper macht die ganze Zeit mit. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat errechnet, dass durch Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2024 volkswirtschaftliche Produktionsausfälle von rund 134 Milliarden Euro entstanden sind. Der Ausfall an Bruttowertschöpfung lag sogar bei 227 Milliarden Euro. Muskel-Skelett-Beschwerden, allen voran Rückenschmerzen, gehören neben Atemwegsinfekten und psychischen Erkrankungen zu den drei häufigsten Ursachen für Krankschreibungen in Deutschland.
Für Freelancer und kleine Agenturen trifft das besonders hart. Wenn du als Selbstständiger ausfällst, verdient niemand Geld für dich. Kein Krankengeld in den ersten Wochen, kein Team, das mal eben übernimmt. Ein ergonomischer Arbeitsplatz ist deshalb keine Wellness-Maßnahme, sondern eine Investition in deine Arbeitsfähigkeit.
Wie sieht der perfekte Schreibtisch für Kreative aus?
Der Schreibtisch ist das Fundament deines Arbeitsplatzes. Die BARMER empfiehlt eine Mindesttiefe von 80 Zentimetern und eine Breite von 160 Zentimetern. Für Kreative, die mit zwei Monitoren, einem Grafiktablett und vielleicht noch einer Tastatur samt Maus arbeiten, darf es gerne etwas mehr sein.
Ein höhenverstellbarer Schreibtisch gehört mittlerweile zur Basisausstattung. Die Ergebnisse der OFFICE-ROXX-Leserumfrage 2025 zeigen einen positiven Trend: 28,8 Prozent der Teilnehmenden nutzen mittlerweile einen Sitz-Steh-Tisch. Gesundheitsexperten empfehlen ein Verhältnis von 60 Prozent Sitzen, 30 Prozent Stehen und 10 Prozent Gehen. Der Wechsel zwischen den Positionen hält deinen Kreislauf in Schwung und entlastet die Wirbelsäule.
| Kriterium | Empfehlung |
| Schreibtischbreite | mindestens 160 cm, besser 180 cm |
| Schreibtischtiefe | mindestens 80 cm |
| Höhenverstellbar | ja, elektrisch bevorzugt |
| Monitorabstand | mindestens 50 cm vom Auge |
| Obere Bildschirmkante | knapp unterhalb der Augenhöhe |
| Lichteinfallrichtung | seitlich, nicht frontal oder von hinten |
Welcher Stuhl schont deinen Rücken wirklich?
80 Prozent aller Deutschen haben im Laufe ihres Lebens mit Rückenschmerzen zu kämpfen. Bei Kreativen, die oft vergessen, aufzustehen, wenn sie gerade im Flow sind, ist das Risiko besonders hoch. Ein guter Bürostuhl unterstützt die natürliche S-Form der Wirbelsäule, hat eine verstellbare Lordosenstütze und erlaubt dynamisches Sitzen.
Dynamisches Sitzen bedeutet, dass der Stuhl deine Bewegungen mitmacht und sich mit dir neigt, wenn du dich nach vorne oder hinten lehnst. Starre Sitzhaltungen belasten die Bandscheiben einseitig. Achte darauf, dass deine Füße flach auf dem Boden stehen und deine Knie einen Winkel von etwa 90 Grad bilden. Deine Unterarme sollten waagerecht auf dem Schreibtisch liegen können, ohne dass du die Schultern hochziehst.
Wie beleuchtest du deinen Arbeitsplatz richtig?
Licht hat einen enormen Einfluss auf deine Konzentration, dein Wohlbefinden und natürlich auch auf deine Augen. Die wichtigste Regel lautet: Das Tageslicht sollte seitlich einfallen. Sitzt du mit dem Rücken zum Fenster, hast du Reflexionen auf dem Monitor. Sitzt du frontal zum Fenster, blendet dich das Licht direkt.
Für die künstliche Beleuchtung empfiehlt sich eine Kombination aus indirekter Deckenbeleuchtung und einer Schreibtischleuchte. Die Farbtemperatur spielt ebenfalls eine Rolle. Kaltes Licht mit 5.000 bis 6.500 Kelvin fördert die Konzentration am Tag. Am Abend schadet es dem Einschlafen, weshalb du dann auf wärmeres Licht umschalten solltest. Eine gute Schreibtischleuchte mit regelbarer Farbtemperatur und Helligkeit gehört deshalb zur Grundausstattung.

Was passiert mit deinen Augen bei acht Stunden Bildschirmarbeit?
Das Thema Sehen wird bei der Arbeitsplatzgestaltung oft vergessen. Dabei ist es gerade für Kreative einer der kritischsten Punkte. Rund 67 Prozent der Berufstätigen in Deutschland arbeiten am Computer. Für Designer, Videografen und Social-Media-Profis liegt die tägliche Bildschirmzeit deutlich darüber. Die Augen fixieren dabei über Stunden hinweg einen festen Sehabstand, was zu einer monotonen Belastung des visuellen Systems führt. Der Blick wechselt laut Studien bis zu 33.000 Mal am Tag zwischen Bildschirm, Tastatur und Vorlage. In die Ferne schaut man so gut wie nie.
Die Folgen tragen einen Fachbegriff: Computer Vision Syndrom, kurz CVS. Im Schnitt klagen rund 70 Prozent der Bildschirmarbeiter über Symptome wie trockene Augen, Augenermüdung, verschwommenes Sehen oder Kopfschmerzen. Ein wesentlicher Grund ist die verminderte Lidschlagfrequenz. Normalerweise blinzelt ein Mensch rund 22 Mal pro Minute. Bei konzentrierter Bildschirmarbeit sinkt diese Zahl auf weniger als fünf. Dadurch trocknet der Tränenfilm aus und die Augen werden gereizt. Der Berufsverband der Augenärzte geht davon aus, dass 10 bis 12 Millionen Deutsche vom sogenannten Office-Eye-Syndrom betroffen sind.
Hier hilft die 20-20-20-Regel als einfache Faustregel: Alle 20 Minuten den Blick vom Monitor abwenden und für 20 Sekunden ein Objekt in mindestens 20 Fuß (etwa sechs Meter) Entfernung fixieren. Das entspannt die Augenmuskeln und unterbricht die einseitige Belastung.
Wann lohnt sich eine Arbeitsplatzbrille für dich?
Ab etwa 40 Jahren lässt die Akkommodationsfähigkeit der Augenlinse spürbar nach. Fachleute sprechen von Presbyopie, also der Alterssichtigkeit. Das Scharfstellen auf kurze Distanzen fällt schwerer, und viele versuchen unbewusst, das verschwimmende Bild durch Vorneigen von Kopf und Oberkörper auszugleichen. Diese verkrampfte Haltung verursacht auf Dauer Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich und kann zu chronischen Kopfschmerzen führen.
Eine normale Lese- oder Gleitsichtbrille ist für den Bildschirmarbeitsplatz oft nicht optimal geschliffen. Der Abstand zum Monitor liegt bei etwa 50 bis 80 Zentimetern, also zwischen dem typischen Leseabstand und dem Raumblick. Genau für diese Anforderungen gibt es spezielle Arbeitsplatzbrillen. Sie sind auf den Nah- und Zwischenbereich optimiert und ermöglichen scharfes Sehen auf Tastatur, Monitor und den direkten Gesprächspartner, ohne dass du deine Haltung verrenken musst. Anbieter wie eyes + more bezeichnen ihre Arbeitsplatzbrillen als Office-Gleitsichtbrillen und bieten sie mit integriertem Blaulichtfilter an. Das schädliche blau-violette Licht der Bildschirme wird damit gefiltert, was die Netzhaut langfristig schonen kann. Gut zu wissen: Seit der Bildschirmarbeitsplatzverordnung von 1996 sind Arbeitgeber in bestimmten Fällen verpflichtet, sich an den Kosten einer Arbeitsplatzbrille zu beteiligen. Auch als Selbstständiger kannst du die Kosten steuerlich geltend machen.
Wie gestaltest du dein Home Office ergonomisch?
Viele Freelancer und Kreativagenturen arbeiten ganz oder teilweise von zu Hause aus. Die Versuchung, vom Sofa oder Küchentisch aus zu arbeiten, ist groß. Langfristig macht sich das aber am Körper bemerkbar. Auch im Home Office gelten dieselben ergonomischen Grundsätze wie im Büro. Wenn du keinen separaten Raum hast, richte dir zumindest eine feste Arbeitsecke ein, die du am Ende des Tages verlassen kannst.
Checkliste: Das brauchst du für ein ergonomisches Home Office
Einen höhenverstellbaren Schreibtisch oder zumindest einen Tisch mit der richtigen Arbeitshöhe (Unterarme waagerecht, Schultern entspannt). Einen ergonomischen Bürostuhl mit Lordosenstütze und verstellbarer Sitzhöhe. Einen externen Monitor mit mindestens 24 Zoll, der auf Augenhöhe positioniert ist. Eine separate Tastatur und Maus, damit du nicht am Laptop zusammengekauert sitzt. Tageslicht von der Seite und eine regulierbare Schreibtischlampe. Eine Fußstütze, falls deine Füße nicht flach auf dem Boden aufsetzen. Einen Blaulichtfilter am Monitor oder als Brillenveredelung für lange Bildschirmsitzungen. Regelmäßige Bewegungspausen, mindestens alle 60 Minuten für fünf Minuten.
Welche Rolle spielt Bewegung im Arbeitsalltag?
Ein ergonomischer Arbeitsplatz allein reicht nicht. Die OFFICE-ROXX-Studie 2025 zeigt deutlich: Nur 36 Prozent der Bürobeschäftigten machen regelmäßige Bewegungspausen. Die reine Verfügbarkeit von Sitz-Steh-Tischen und ergonomischen Stühlen führt noch nicht automatisch zu einem aktiveren Alltag. Es braucht Routinen, die du bewusst in deinen Tag einbaust.
Einfache Möglichkeiten: Telefonate im Stehen oder Gehen führen. Meetings als Walk-and-Talks organisieren. Einen Timer stellen, der dich alle 45 Minuten ans Aufstehen erinnert. Dehnübungen für Nacken, Schultern und Handgelenke als festes Ritual einführen. Auch gezielte Augenübungen gehören dazu. Neben der 20-20-20-Regel hilft es, die Augen bewusst kreisen zu lassen oder für einige Sekunden fest zuzukneifen und wieder zu öffnen. Das regt die Tränenproduktion an und durchbricht die monotone Bildschirmbelastung.
Was kostet ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz?
Viele scheuen die Investition, weil sie an tausende Euro denken. Tatsächlich kommst du mit einem durchdachten Budget schon weit. Die gute Nachricht: Du musst nicht alles auf einmal kaufen. Beginne mit dem, was den größten Unterschied macht.
| Anschaffung | Preisspanne |
| Höhenverstellbarer Schreibtisch | 300 bis 800 € |
| Ergonomischer Bürostuhl | 400 bis 1.200 € |
| Externer Monitor (27 Zoll) | 200 bis 500 € |
| Schreibtischlampe (regulierbar) | 50 bis 150 € |
| Arbeitsplatzbrille mit Blaulichtfilter | ab 139 € |
| Separate Tastatur und Maus (ergonomisch) | 80 bis 200 € |
| Fußstütze | 25 bis 60 € |
Für Selbstständige und Agenturen sind diese Kosten als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar. Und vergiss nicht: Eine einzige Woche Arbeitsausfall durch Rückenprobleme oder Augenbeschwerden kostet dich als Freelancer schnell mehr, als die gesamte Ausstattung zusammen.
Wie erkennst du, ob dein aktuelles Setup Probleme macht?
Nicht jedes Problem zeigt sich sofort. Oft gewöhnt man sich an leichte Beschwerden, bis sie chronisch werden. Achte auf diese Warnsignale: häufige Kopfschmerzen zum Feierabend, ein steifer Nacken am Morgen, brennende oder trockene Augen nach der Bildschirmarbeit, Kribbeln in den Fingern oder Händen, Schmerzen im unteren Rücken nach längerem Sitzen. Wenn du mehrere dieser Symptome regelmäßig bemerkst, solltest du dein Arbeitsplatz-Setup systematisch überprüfen. Beginne mit der Sitzhöhe und der Monitorposition, denn das sind die häufigsten Fehlerquellen. Und lass dein Sehvermögen checken, besonders wenn du über 40 bist. Laut Kuratorium Gutes Sehen nutzen täglich mehr als 90 Prozent der 40- bis 60-Jährigen Bildschirmgeräte, aber nur ein Bruchteil von ihnen hat eine passende Bildschirmbrille.
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