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Lohnt sich ein Fitnessstudio Franchise, wenn du deinen Agenturjob an den Nagel hängen willst?

Stefan Petri
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Du sitzt seit Jahren in der Agentur, jonglierst Deadlines, pflegst Kundenbeziehungen und baust anderen Leuten die Marke auf. Gleichzeitig träumst du schon lange davon, dein eigenes Ding zu machen. Nicht irgendein digitales Side Project, sondern etwas Handfestes. Ein Fitnessstudio zum Beispiel. Vielleicht hast du geerbt, vielleicht hast du gespart, vielleicht beides. Und jetzt fragst du dich, ob ein Fitnessstudio Franchise der richtige Weg wäre, um aus dem Hamsterrad auszubrechen und dir eine solide Geschäftsgrundlage aufzubauen. Genau darum geht es in diesem Artikel.

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Zwischen Briefing und Bizeps-Curl liegt manchmal nur eine Kündigung.

Wir schauen uns an, was ein Franchise wirklich kostet, wie du den passenden Standort findest, welche Modelle es gibt und worauf du achten musst, damit aus dem Traum vom eigenen Studio kein finanzieller Albtraum wird. Der Artikel richtet sich an alle, die ernsthaft über den Schritt nachdenken. Keine rosarote Brille, keine leeren Versprechen. Dafür ehrliche Zahlen und praxisnahe Tipps.

Warum boomt die Fitnessbranche gerade so stark?

Bevor du dein Erspartes in Hanteln und Laufbänder investierst, lohnt sich ein Blick auf die Marktlage. Und die sieht tatsächlich ziemlich gut aus. Laut der Eckdatenstudie 2025 des DSSV trainierten Ende 2024 rund 11,71 Millionen Menschen in deutschen Fitness- und Gesundheitsanlagen. Das ist ein neuer Rekordwert und übertrifft erstmals das Niveau von vor der Pandemie. Der Gesamtumsatz der Branche kletterte auf 5,82 Milliarden Euro netto, was einem Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Besonders interessant für angehende Franchisenehmer: Die Ketten wachsen überproportional. Laut der Deloitte-Studie zum deutschen Fitnessmarkt 2025 bauten Kettenbetriebe ihr Anlagenportfolio 2024 um fast zwölf Prozent aus und vereinten erstmals die Hälfte des gesamten Branchenumsatzes auf sich. Einzelstudios verloren dagegen an Boden. Das zeigt einen klaren Trend: Wer als Einzelkämpfer ein Studio eröffnet, hat es schwerer als jemand, der auf ein erprobtes Franchise-System setzt.

Der durchschnittliche Monatsbeitrag lag 2024 bei knapp 47 Euro brutto. Das sind rund zehn Prozent mehr als noch 2019. Die Mitglieder akzeptieren höhere Preise, solange die Qualität stimmt. Für dich als potenziellen Studiobetreiber bedeutet das: Die Zahlungsbereitschaft ist da. Du musst sie nur bedienen können.

Was kostet ein Fitnessstudio Franchise wirklich?

Die Frage nach den Kosten ist verständlicherweise die erste, die sich stellt. Und die Antwort ist leider nicht in einem Satz zu formulieren, weil die Spannbreite enorm ist. Die Gesamtinvestition für ein Franchise-Fitnessstudio liegt im Schnitt zwischen 50.000 und 250.000 Euro. Bei großen Discounter-Ketten wie clever fit kann der Eigenkapitalbedarf allein schon 60.000 Euro betragen. Bei EMS-Mikrostudios wie fitbox oder Mrs.Sporty startest du dagegen manchmal schon ab 10.000 Euro.

Fitnessstudio Franchise oder eigenes Gym? Eugen Leibman betreibt über 30 Studios und erklärt, warum manche Gründer scheitern und wo 2025 die echten Chancen liegen.

Die Kosten setzen sich aus mehreren Posten zusammen. Da ist zunächst die einmalige Franchise-Gebühr, die dir das Recht gibt, unter der Marke zu operieren. Diese liegt bei den meisten Systemen zwischen 10.000 und 25.000 Euro. Dazu kommen die Investitionskosten für Geräte, Umbau, Kaution und Erstausstattung. Die laufenden monatlichen Kosten bestehen aus Lizenzgebühren (oft zwischen 800 und 1.000 Euro oder ein Prozentsatz vom Umsatz), Miete, Personal, Marketing und Betriebskosten.

KostenartSpanneBeispiel clever fitBeispiel EMS-Studio
Franchise-Gebühr (einmalig)10.000 bis 25.000 €ca. 15.000 €ca. 10.000 €
Eigenkapitalbedarf10.000 bis 60.000 €ca. 60.000 €ca. 10.000 bis 40.000 €
Gesamtinvestition50.000 bis 250.000 €ab 150.000 €50.000 bis 100.000 €
Monatliche Lizenzgebühr800 bis 1.000 €umsatzabhängigca. 990 €
Break-even3 bis 12 Monateca. 6 bis 12 Monateca. 3 bis 6 Monate

Wenn du geerbt hast und zum Beispiel 80.000 bis 100.000 Euro Eigenkapital mitbringst, stehen dir viele Modelle offen. Wichtig ist aber, dass du nicht dein gesamtes Kapital in die Gründung steckst. Du brauchst unbedingt Rücklagen für die ersten Monate, in denen die Mitgliederzahlen noch aufgebaut werden.

Welche Franchise-Modelle gibt es für Fitnessstudios?

Die Fitnessbranche bietet mittlerweile eine erstaunliche Vielfalt an Franchise-Konzepten. Grob lassen sich drei Kategorien unterscheiden.

Die erste Kategorie sind die klassischen Vollformat-Studios. Dazu gehören Marken wie clever fit mit über 500 Standorten im DACH-Raum. Hier bekommst du ein großflächiges Studio mit Kraft- und Ausdauerbereich, Kursräumen und oft auch Wellnessangeboten. Der Investitionsbedarf ist höher, dafür erreichst du eine breitere Zielgruppe und kannst mit Skaleneffekten arbeiten.

Die zweite Kategorie sind EMS- und Mikrostudios. Marken wie fitbox, Bodystreet oder Körperformen setzen auf kompakte Flächen von 100 bis 200 Quadratmetern und bieten intensives Training mit elektrischer Muskelstimulation. Der Vorteil: weniger Fläche, weniger Personal, niedrigere Betriebskosten. Gerade für Quereinsteiger aus der Agenturwelt kann das attraktiv sein, weil der operative Aufwand überschaubar bleibt.

Die dritte Kategorie sind personallose Studios. Konzepte wie fit+ setzen auf vollautomatisierte Anlagen ohne festangestelltes Personal. Der Zutritt erfolgt per App, die Betreuung läuft digital. Manche Betreiber berichten von weniger als einer Arbeitsstunde pro Woche bei einem Verdienst von bis zu 10.000 Euro monatlich pro Studio. Klingt traumhaft, erfordert aber einen Standort mit wenig Wettbewerb und einem Einzugsgebiet von mindestens 6.000 Menschen.

Kannst du als Quereinsteiger aus der Agentur ein Fitnessstudio führen?

Die kurze Antwort: Ja. Die längere Antwort: Es kommt darauf an, was du mitbringst. Die gute Nachricht ist, dass du als Agenturmensch eine ganze Reihe von Skills hast, die im Fitness-Business Gold wert sind. Du kannst Projekte managen, du verstehst Marketing, du weißt, wie man Kunden gewinnt und hält. Du kannst Budgets planen und bist es gewohnt, unter Druck Ergebnisse zu liefern.

Was dir vermutlich fehlt, ist die fachliche Qualifikation im Fitnessbereich. Das ist aber kein Ausschlusskriterium. Als Studiobetreiber musst du nicht selbst auf der Trainingsfläche stehen. Dafür stellst du qualifizierte Trainer ein. Trotzdem schadet es nicht, die Grundlagen zu kennen. Eine Fitnesstrainer B Lizenz gibt dir das nötige Basiswissen in Anatomie, Trainingslehre und Kundenbetreuung. Die Ausbildung dauert nur wenige Wochen und lässt sich berufsbegleitend absolvieren, also noch bevor du deinen Agenturjob aufgibst. So sprichst du auf Augenhöhe mit deinen zukünftigen Mitarbeitern und verstehst, was auf der Fläche passiert.

Die meisten Franchise-Geber bieten umfangreiche Schulungen an, die speziell auf Quereinsteiger zugeschnitten sind. Du lernst alles von der Mitgliedergewinnung über die Gerätehandhabung bis zur Buchhaltung. Trotzdem solltest du dir vorher ehrlich ein paar Fragen stellen.

Welche Fragen solltest du dir vor der Gründung stellen?

Bevor du deine Kündigung einreichst, solltest du folgende Punkte für dich klären:

✅ Bist du bereit, langfristig operativ zu arbeiten, also nicht nur strategisch zu planen, sondern auch mal Handtücher zu falten und Geräte zu putzen?

✅ Hast du genug finanziellen Puffer, um sechs bis zwölf Monate ohne nennenswerte Einnahmen zu überbrücken?

✅ Kannst du mit der Einschränkung leben, dich an Vorgaben des Franchise-Gebers halten zu müssen, auch wenn du es anders machen würdest?

✅ Hast du Menschen in deinem Umfeld, die dich in der Gründungsphase unterstützen?

✅ Bist du bereit, Verantwortung für Personal zu übernehmen und Teams zu führen?

✅ Kannst du mit dem Risiko umgehen, dass dein investiertes Geld im schlimmsten Fall verloren ist?

✅ Hast du eine realistische Vorstellung davon, wie viel Arbeitszeit in den ersten Jahren auf dich zukommt?

Diese Fragen klingen vielleicht hart. Aber genau diese Ehrlichkeit braucht es, um eine fundierte Entscheidung zu treffen. Ein Franchise nimmt dir viel Arbeit ab, aber es macht die Selbstständigkeit nicht zum Selbstläufer.

Wie findest du den richtigen Standort für dein Studio?

Der Standort entscheidet über Erfolg und Scheitern deines Studios. Das ist kein Klischee, sondern Fakt. Die Standortanalyse gehört deshalb zu den allerersten Aufgaben, noch bevor du einen Franchise-Vertrag unterschreibst. Die meisten Franchise-Geber unterstützen dich dabei mit Geodaten, Marktanalysen und Erfahrungswerten aus bestehenden Standorten.

Bei der Standortwahl spielen mehrere Faktoren zusammen. Das Einzugsgebiet sollte groß genug sein, um ausreichend potenzielle Mitglieder zu erreichen. Als Faustregel gilt: In der Stadt sollten Menschen dein Studio in maximal 15 Minuten erreichen können. Auf dem Land kann der Radius größer sein, dafür sinkt die Bevölkerungsdichte. Prüfe außerdem die Wettbewerbssituation. Wenn in einem Radius von fünf Kilometern bereits drei Studios operieren, wird es eng. Achte auf die Kaufkraft im Einzugsgebiet und auf die demografische Struktur. Junge Berufstätige und Familien sind die attraktivste Zielgruppe für die meisten Studiokonzepte.

Die Erreichbarkeit ist ein weiterer Schlüsselfaktor. Gute Anbindung an den ÖPNV und ausreichend Parkplätze sind essenziell. Ein Studio im dritten Stock eines Hinterhofs wird es schwer haben, egal wie gut das Konzept ist. Gerade EMS-Studios profitieren von einer zentralen Innenstadtlage, wo die Laufkundschaft hoch ist. Klassische Vollformat-Studios stehen oft am Stadtrand, weil sie große Flächen zu bezahlbaren Mieten brauchen.

Ein professioneller Tipp: Besuche potenzielle Standorte zu verschiedenen Tageszeiten. Beobachte den Menschenstrom, schau dir die Nachbarschaft an und sprich mit lokalen Gewerbetreibenden. Diese qualitativen Eindrücke ergänzen die harten Zahlen aus der Geodatenanalyse perfekt.

Fitnessstudio franchise standortanalyse
Wo Parkplätze sind, da lass dich nieder. Standortsuche für Anfänger.

Was sind die häufigsten Fehler bei der Studiogründung?

Aus der Praxis berichten erfahrene Studiobetreiber immer wieder von ähnlichen Stolperfallen. Der größte Fehler ist eine zu optimistische Finanzplanung. Viele Gründer rechnen sich die Mitgliederzahlen schön und vergessen, dass der Aufbau eines Kundenstamms sechs bis zwölf Monate dauern kann. Kalkuliere konservativ und rechne mit dem Worst-Case-Szenario.

Ein weiterer häufiger Fehler ist die Unterschätzung der Personalkosten. Qualifizierte Trainer sind gefragt und nicht billig. Die Fitnessbranche kämpft wie viele andere Branchen mit Fachkräftemangel. Wenn du gute Leute halten willst, musst du faire Gehälter zahlen und ein angenehmes Arbeitsumfeld schaffen.

Viele Gründer vernachlässigen auch das lokale Marketing. Ja, der Franchise-Geber macht überregionale Werbung. Aber die Mitglieder aus deiner Nachbarschaft gewinnst du durch Präsenz vor Ort, durch Kooperationen mit lokalen Unternehmen und durch eine gepflegte Online-Präsenz. Dein Google Unternehmensprofil, deine Social-Media-Kanäle und Bewertungsportale sind mindestens so wichtig wie das Logo über der Tür.

Unterschätze auch nicht den bürokratischen Aufwand. Von der Gewerbeanmeldung über Hygieneanforderungen bis zur DGUV V3 Prüfung deiner Elektrogeräte kommt einiges auf dich zu. Ein guter Steuerberater und ein Rechtsanwalt, der Franchise-Verträge kennt, sind kein Luxus, sondern Pflicht.

Wie könnte dein Fahrplan in die Selbstständigkeit aussehen?

Du brauchst keinen militärischen Schlachtplan. Aber eine grobe Roadmap hilft dir, den Überblick zu behalten und die richtigen Schritte in der richtigen Reihenfolge zu gehen.

In den ersten ein bis zwei Monaten geht es um Orientierung. Recherchiere Franchise-Systeme, besuche Messen wie die FIBO, sprich mit bestehenden Franchisenehmern und lass dir Infomaterial schicken. Mach dir parallel Gedanken über deine Finanzen. Wie viel Eigenkapital steht dir zur Verfügung? Brauchst du einen Kredit? Die IHK und die KfW-Bank bieten Gründerberatung an, die du nutzen solltest.

In den Monaten drei bis vier erstellst du deinen Businessplan. Darin beschreibst du dein Geschäftsmodell, deine Zielgruppe, deine Finanzplanung und deine Standortanalyse. Der Businessplan ist nicht nur ein Dokument für die Bank. Er zwingt dich, dein Vorhaben von allen Seiten zu durchdenken.

Ab Monat fünf geht es an die konkrete Standortsuche und die Vertragsverhandlungen mit dem Franchise-Geber. Lass den Franchise-Vertrag unbedingt von einem spezialisierten Anwalt prüfen. Achte besonders auf die Laufzeit, die Gebietsschutzklauseln und die Ausstiegsoptionen.

Monate sechs bis acht sind die Umbauphase. Geräte werden bestellt, Räume werden eingerichtet, Personal wird eingestellt und geschult. Parallel baust du deine lokale Marketingkampagne auf.

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Grand Opening! Wenn die Hanteln frisch glänzen und die Laufbänder noch nicht quietschen.

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Veröffentlicht am von Stefan Petri
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Von Stefan Petri
Stefan Petri betreibt zusammen mit seinem Bruder Matthias das beliebte Fachforum PSD-Tutorials.de sowie die E-Learning-Plattform TutKit.com, die in der Aus- und Fortbildung digitaler beruflicher Kompetenzen einen Schwerpunkt setzt. 
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